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Chronik

125 Jahre St.-Nikolaus-Stift

"Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers." (Jean Jaurès 1910)


 

130 Jahre St.-Nikolaus-Stift

Im Jahr 2026 blickt das Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift in Füssenich auf 130 Jahre engagierte Bildungsarbeit für junge Menschen zurück. Seit seiner Gründung im Jahr 1896 ist das ehemalige Kloster ein Ort des Lernens, der Persönlichkeitsentwicklung und der Wertevermittlung. Generationen von Schülerinnen und Schülern haben hier nicht nur fachliche Qualifikationen erworben, sondern auch Orientierung, Halt und Perspektiven für ihr Leben gefunden.

Die Geschichte des St.-Nikolaus-Stifts ist geprägt von Kontinuität und Wandel, von Zeiten des Aufbruchs und der Bewährung, von persönlichem Engagement und gemeinschaftlicher Verantwortung. Sie ist zugleich ein Spiegel gesellschaftlicher, kirchlicher und bildungspolitischer Entwicklungen über mehr als ein Jahrhundert hinweg.

Historische Wurzeln: Vom Kloster zur Bildungsstätte

Die Wurzeln des heutigen Berufskollegs reichen weit über das Jahr 1896 hinaus. Bereits im Jahr 1147 wurde an dieser Stelle ein Kloster der Prämonstratenserinnen gegründet. Über Jahrhunderte hinweg prägte das klösterliche Leben den Ort Füssenich und seine Umgebung. Die geistliche Ausrichtung, die Pflege von Bildung und Gemeinschaft sowie die Verantwortung für Bedürftige gehörten schon früh zum Selbstverständnis dieser Einrichtung.

Im Zuge der französischen Besetzung und der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgehoben. Die Gebäude wechselten in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer. Dennoch blieb der Ort mit seiner religiösen und sozialen Tradition tief im Bewusstsein der Region verankert.

Eine entscheidende Wendung brachte das Vermächtnis der Wohltäterin Magdalena Hambloch. In ihrem Testament verfügte sie, dass auf dem Gelände eine Erziehungsanstalt für Mädchen entstehen sollte. Nach ihrem Tod im Jahr 1892 ging das Anwesen in den Besitz des Erzbistums Köln über.

Am 15. August 1896 verkündete Kardinal Philipp Krementz offiziell die Eröffnung des „St.-Nikolaus-Stifts zu Kloster Füssenich“. Sieben Augustinerinnen begannen gemeinsam mit den ersten Schülerinnen ihre pädagogische Arbeit. Damit wurde der Grundstein für eine bis heute andauernde Bildungstradition gelegt.

Aufbau und frühe Entwicklung

In den ersten Jahrzehnten verband die Schule religiöse Bildung, praktische Ausbildung und Persönlichkeitsentwicklung zu einem ganzheitlichen pädagogischen Konzept. Ziel war es, junge Frauen nicht nur auf berufliche Tätigkeiten vorzubereiten, sondern sie in ihrer gesamten Persönlichkeit zu stärken.

Der Lehrplan der 1920er- und 1930er-Jahre umfasste sowohl praktische als auch theoretische Inhalte: Kochen, Nähen, Haushaltsführung und Pflege standen ebenso auf dem Programm wie Deutsch, Rechnen, Religion und Gesundheitslehre. Die Schülerinnen lebten vielfach im Internat, wodurch Schule, Gemeinschaft und Alltag eng miteinander verbunden waren.

Das St.-Nikolaus-Stift entwickelte sich in dieser Zeit zu einer angesehenen Bildungseinrichtung weit über die Region hinaus. Die Verbindung aus fachlicher Ausbildung, religiöser Begleitung und persönlicher Fürsorge prägte den guten Ruf der Schule.

Bewährung in Krisenzeiten

Die Geschichte des St.-Nikolaus-Stifts ist auch eine Geschichte des Durchhaltens in schwierigen Zeiten. Während des Zweiten Weltkriegs musste der Schulbetrieb von 1942 bis 1945 eingestellt werden. Gebäude wurden beschädigt, Strukturen zerstört, und viele Menschen waren von Leid und Verlust betroffen.

Bereits 1946 wurde der Unterricht wieder aufgenommen – ein starkes Zeichen des Neuanfangs und der Hoffnung. In einer Zeit des Mangels und der Unsicherheit setzten die Verantwortlichen bewusst auf Bildung als Grundlage für eine bessere Zukunft.

Im Jahr 1950 übernahmen die Schwestern der Kongregation vom Göttlichen Herzen Jesu die Leitung der Schule. Mit ihnen begann eine Phase des Neuaufbaus und der Modernisierung. Zahlreiche bauliche Maßnahmen wurden umgesetzt: neue Unterrichtsräume entstanden, sanitäre Anlagen wurden modernisiert, Internat und Wohnheim erweitert.

1953 wurde die Frauenfachschule eröffnet, die den Erwerb der Fachschulreife ermöglichte. 1966 folgte die Umbenennung in Berufsfachschule für Ernährung und Hauswirtschaft. Damit reagierte die Schule auf veränderte gesellschaftliche Anforderungen und neue Berufsbilder.

Wachstum, Professionalisierung und Öffnung

In den 1970er-Jahren wuchs die Schülerzahl stark an. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, wurden erstmals verstärkt externe Lehrkräfte eingestellt. Neben Ordensschwestern unterrichteten nun zunehmend staatlich ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen.

Diese Öffnung trug zur weiteren Professionalisierung des Unterrichts bei. Neue pädagogische Konzepte, differenzierte Leistungsbewertung und stärkere Individualisierung prägten zunehmend den Schulalltag.

Gleichzeitig begann sich die Rolle der Ordensgemeinschaft zu verändern. Der Rückgang des Ordensnachwuchses führte dazu, dass sich die Schwestern schrittweise aus dem Schulbetrieb zurückzogen. Seit 1998 leben keine Ordensschwestern mehr im Kloster.

Das „Wunder von Füssenich“

Eine besondere Bewährungsprobe erlebte das St.-Nikolaus-Stift im Jahr 1989. Die angekündigte Schließung von Schule und Internat stellte die Existenz der Einrichtung in Frage. Für viele Beteiligte bedeutete diese Nachricht einen tiefen Einschnitt.

Lehrkräfte, Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Vertreter aus Kirche und Region setzten sich mit großem Engagement für den Fortbestand der Schule ein. Durch gemeinsames Handeln, Überzeugungsarbeit und nicht zuletzt durch großes Vertrauen in den eigenen Auftrag konnte die Schließung abgewendet werden.

Dieses Ereignis ging als „Wunder von Füssenich“ in die Schulgeschichte ein und ist bis heute ein Symbol für Zusammenhalt, Glauben und Beharrlichkeit.

Wandel im 21. Jahrhundert

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends setzte sich der Wandel der Schule fort. Neue Bildungsgänge entstanden, bestehende Angebote wurden modernisiert, und pädagogische Konzepte weiterentwickelt.

Damit eröffnete sich für viele junge Menschen - jetzt auch Männern - die Möglichkeit, am Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift das Fachabitur oder das Abitur mit einem klaren Schwerpunkt im sozialen oder  gesundheitlichen Bereich zu erwerben.

Das Internat und Wohnheim, die über Jahrzehnte das Schulleben geprägt hatten, wurden 2019 geschlossen. Gleichzeitig entstanden mit dem Naturwissenschaftlichen Fachraum, einer neuen modernen Sporthalle, anderen Fachräumen und digitalen Ausstattungen neue räumliche und organisatorische Konzepte, die dem veränderten Lernverhalten und den heutigen Lebensbedingungen der Schülerinnen und Schüler Rechnung tragen.

Bildung heute: Tradition und Innovation im Einklang

Heute ist das Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift eine moderne Bildungseinrichtung mit einem klaren Profil im sozialen und gesundheitlichen Bereich. Ausgebildet werden angehende Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger sowie Erzieherinnen und Erzieher. Darüber hinaus können die Fachhochschulreife und das Abitur im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen erworben werden. Eine Kooperation mit der Fachhochschule des Mittelstandes ermöglicht zusätzlich ein Duales Studium im Fachbereich Soziale Arbeit/Management.

Rund 530 Schülerinnen, Schüler und Studierende werden derzeit von 44 Lehrkräften begleitet. In den historischen Gebäuden des ehemaligen Klosters verbinden sich moderne Pädagogik und zeitgemäße Lernformen mit der besonderen Atmosphäre eines traditionsreichen Ortes.

Digitale Bildung spielt dabei eine immer größere Rolle. Medienkompetenz, digitale Schlüsselqualifikationen und der reflektierte Umgang mit Künstlicher Intelligenz sind feste Bestandteile des Unterrichts. Ziel ist es, junge Menschen nicht nur fachlich, sondern auch technologisch und ethisch auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorzubereiten.

Projektorientierter Unterricht, Kooperationen mit Praxispartnern und individuelle Beratung unterstützen die persönliche und berufliche Entwicklung der Lernenden.

Leitbild und pädagogisches Selbstverständnis

Das schulische Handeln orientiert sich bis heute am Leitbild „Der Mensch im Zentrum des Lernens“. Auf Grundlage des christlichen Menschenbildes stehen Respekt, Wertschätzung, Teilhabe und Verantwortung im Mittelpunkt.

Die Schule versteht sich als sicherer Ort, an dem junge Menschen Geborgenheit erfahren, Fehler machen dürfen, Unterstützung erhalten und ihre Stärken entdecken können. Individuelle Förderung, persönliche Gespräche und eine enge Begleitung prägen den pädagogischen Alltag.

Dabei geht es nicht nur um Wissen und Leistung, sondern um die Entwicklung einer gefestigten Persönlichkeit, die Verantwortung für sich selbst, für andere und für die Gesellschaft übernimmt.

Dank, Verantwortung und Ausblick

130 Jahre St.-Nikolaus-Stift sind das Ergebnis des Engagements vieler Menschen: Ordensschwestern, Lehrkräfte, Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Trägervertreter und Kooperationspartner haben diese Entwicklung über Generationen hinweg getragen.

Das Jubiläum ist Anlass zu Dankbarkeit für das Erreichte und für die Menschen, die diese Schule geprägt haben. Zugleich ist es Verpflichtung, den Bildungsauftrag auch in Zukunft mit Kompetenz, Herz und Weitblick fortzuführen.

In einer Zeit rascher gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen bleibt das St.-Nikolaus-Stift seinem Kernauftrag treu: junge Menschen zu befähigen, ihr Leben verantwortungsvoll, solidarisch und selbstbewusst zu gestalten.

So verbindet sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer lebendigen Tradition – im Zeichen einer Bildung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

1886

Magdalena Hambloch stiftet das „Ackergut Kloster Füssenich“ dem Erzbischöflichen Stuhl Köln zur Errichtung einer „Erziehungsanstalt für Mädchen“

8 Stifterin Magdalena Hambloch

1896

Feierliche Einweihung des „Erziehungshauses für Mädchen“ unter der Leitung der „Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus“

1918-1919

 5 Jahrgang1918 19

1926

Umstrukturierung zur „Staatlich Anerkannten private Haushaltschule“ mit Internat

20er - 30er

 3 20er 30er 1

2 20er 30er 2

30er

Turnen in den Dreissigern

 4 Turnen in den Dreissigern

1942

Schließung der Schule wegen der Kriegsereignisse

1946

Wideraufnahme des Schulbetriebes

1950

Die „Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Herzen Jesu“ übernehmen die Leitung von Schule und Internat

1951

Kartoffelnschälen

1 Kartoffelnschälen 1951

1953

Eröffnung der zweijährigen „Frauenfachschule B“

1956

Einweihung der neuen Fach- und Klassenräume

1959

Klassenausflug Schwester Ritter

7 Klassenausflug Schwester Ritter 1959

1961

Die Hauskapelle wird restauriert und erstrahlt in einer zeitgemäßen Gestaltung

6 Kapelle

 

1966

Umbenennung in „Berufsfachschule für Ernährung und Hauswirtschaft“

1976-1978

 9 1976 77 78

1986

Eröffnung der „Berufsfachschule für Kinderpflegerinnen“

1990

Eröffnung der „Fachschule für Sozialpädagogik“ und der „Berufsfachschule für Sozialpflege/Pflegevorschule“

1999

Einweihung des Neubaus (4 Klassenzimmer plus Forum)

1998

Die „Schwestern vom Göttlichen Herzen Jesu“ verlassen das Stift

1999

Eröffnung der „Fachschule für Heilerziehungspflege“

2002

Eröffnung der Berufsfachschule für Sozialhelfer

2010

Eröffnung des Beruflichen Gymnasiums/Erzieher/innen

2015

Eröffnung des Beruflichen Gymnasiums/Gesundheit

2022

Feierlichkeiten zum 125-jährigen Schuljubiläum

bis 2022

insgesamt 9421 Absolventen/innen

2022

520 Schüler/innen und Studierende, 42 Lehrer/innen und 13 Mitarbeiter/innen

Kontakt

Tel.: 02252 / 94 36 0
Fax: 02252 / 94 36 36

Brüsseler Str. 68
53909 Zülpich - Füssenich

E-Mail: info@st-nikolaus-stift.de

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