Das St.-Nikolaus-Stift verabschiedet Alexander Möhrer und Claudia Bachmann
Zülpich-Füssenich, 16. Juli 2026 - Bei der traditionellen Feier zum Schuljahresende, bei der die Schulgemeinschaft des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift alljährlich zurück- und zugleich nach vorne blickt, hieß es in diesem Jahr gleich zweimal Abschiednehmen aus dem Kollegium: Alexander Möhrer wurde nach 36 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand verabschiedet, Claudia Bachmann verlässt die Schule, um einen neuen Weg einzuschlagen.

Claudia Bachmann: „Vieles von dem, was ich bei euch gelernt habe, wird mich begleiten“
„Manchmal führt ein beruflicher Weg sehr geradlinig auf ein bestimmtes Ziel zu – und manchmal zeigt sich erst unterwegs, dass das Leben noch andere Pläne bereithält“, sagte Schulleiter Klaus Drotbohm in seiner Abschiedsrede für Claudia Bachmann. Als promovierte Biologin mit Erfahrung in internationalen Forschungsprojekten und in der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte kam sie vor rund drei Jahren ans St.-Nikolaus-Stift – mit dem bereits in ihrer Bewerbung formulierten Wunsch, ihre naturwissenschaftliche Ausbildung mit einer sozialen, pädagogischen Tätigkeit zu verbinden. Als Seiteneinsteigerin mit den Fächern Biologie und Mathematik ließ sie sich noch einmal auf etwas ganz Neues ein und meisterte einen Weg, der wahrlich kein leichter ist: gleichzeitig unterrichten, Unterricht planen, Prüfungen ablegen und sich in einem völlig neuen Umfeld zurechtfinden.
In ihrer eigenen Abschiedsrede drehte Claudia Bachmann den Blick um: Während in ihrer Lehrerausbildung stets das selbstständige Lernen als Ideal galt, habe sie im Schulalltag erlebt, wie sehr Menschen „am Modell“ lernen – durch das Beobachten guter Vorbilder. Und davon habe sie im Kollegium viele gefunden: den humorvollen und gelassenen Umgang auch mit hartnäckigen Unterrichtsverweigerern, die Fähigkeit, Kritik wertschätzend und gut durchdacht zu äußern, die Ausdauer, sich Tag für Tag für Schülerinnen und Schüler einzusetzen, die Kunst, trotz Schlafmangel mit guter Laune und großer Gelassenheit vor der Klasse zu stehen – und die Haltung, Kolleginnen und Kollegen wie Schülerinnen und Schülern mit Wohlwollen zu begegnen und sie fachlich wie menschlich zu unterstützen. „Vieles von dem, was ich bei euch gelernt habe, wird mich auf meinem weiteren Weg begleiten“, dankte sie dem Kollegium für Unterstützung, Offenheit und Hilfsbereitschaft – und für die vielen schönen Gespräche, „die so manchen arbeitsreichen Tag ein gutes Stück leichter gemacht haben“.
Alexander Möhrer: 36 Jahre Schuldienst – 16 Jahre am Stift
Auf ein ganzes Berufsleben in der Schule blickt Alexander Möhrer zurück: 36 Jahre Schuldienst, zunächst an der Erzbischöflichen Ursulinenschule in Hersel, seit 2010 dann am St.-Nikolaus-Stift. Dass er überhaupt nach Füssenich kam, verdankt die Schule – wie Schulleiter Klaus Drotbohm augenzwinkernd verriet – nicht zuletzt seiner Ehefrau, die seine Bewerbung damals kurzerhand auf den Weg brachte. „Rückblickend können wir nur sagen: Das war eine ausgesprochen gute Entscheidung.“
Mit seinen Fächern Französisch und Musik hat Alexander Möhrer die Schule über anderthalb Jahrzehnte geprägt. Er richtete Französisch als zweite Fremdsprache am Berufskolleg ein und schuf damit die Voraussetzung für den weiteren Ausbau dieses Bildungsangebots. Sprache war für ihn dabei nie bloße Grammatik und Vokabelarbeit: „Sprache bedeutet Begegnung – sie öffnet Zugänge zu anderen Kulturen und hilft, die Welt mit anderen Augen zu sehen.“ Dieselbe Offenheit für Menschen und Perspektiven zeichnete seine langjährige Arbeit als Beratungslehrer aus: Er war ein verlässlicher und geschätzter Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Kolleginnen und Kollegen – einer, der nicht vorschnell Ratschläge gab oder fertige Lösungen präsentierte, sondern zuhörte, Menschen ernst nahm, ihnen Zeit gab und gemeinsam mit ihnen nach Wegen suchte. Getragen wurde diese Haltung von einem christlichen Menschenbild: „Jeder Mensch besitzt eine Würde, die sich nicht auf Fehler, Leistungen oder schwierige Phasen reduzieren lässt.“
Sein zweites großes Wirkungsfeld war die Musik. Standen in Hersel noch Chor-Arbeitsgemeinschaften und größere Aufführungen im Mittelpunkt, wurde die Musik am St.-Nikolaus-Stift eine vielleicht leisere, aber keineswegs weniger bedeutsame: die elementare Musikpädagogik in der Ausbildung angehender Erzieherinnen und Erzieher. „Dort geht es nicht um den großen Auftritt auf der Bühne“, so Drotbohm. „Es geht um den Moment, in dem ein junger Mensch, der sich zunächst nicht zu singen traut, doch seine Stimme findet.“ Alexander Möhrer habe jungen Menschen vermittelt, dass Musik nicht nur etwas für besonders Begabte ist – dass sie Gemeinschaft schaffen, Gefühle ausdrücken und Mut machen kann: „Man muss dafür nicht auf der großen Bühne stehen. Manchmal reichen eine Gitarre, ein Lied und der Mut, es einfach zu versuchen.“ Dabei blieb er selbst während seines gesamten Berufslebens ein Lernender – Fortbildungen und Supervision waren für ihn Gelegenheiten zur Weiterentwicklung, und noch in den letzten Jahren zeigte er, dass langjährige Erfahrung und Neugier keine Gegensätze sind: den Chancen zugewandt, die Risiken und die pädagogische Verantwortung stets im Blick.
Besonders bewegend war der Dank einer Kollegin, die Alexander Möhrer seit ihrem allerersten Tag an der Schule als Mentor begleitet hat: „Es gibt Lehrer, die berühren etwas in einem. Die helfen, den Blick auf die Welt und manchmal sogar auf sich selbst zu verändern. Ich weiß das so genau, weil du für mich so ein Lehrer bist.“ Durch seine zutiefst humanistische Haltung, sein echtes Interesse am Gegenüber und seine Gabe des Zuhörens sei sie selbst „eine bessere Lehrerin geworden“.
In seinen Dankesworten – natürlich nicht ohne einen augenzwinkernden Verweis auf Kurt Tucholskys „Ratschläge für einen schlechten Redner“, die er wenige Tage zuvor einer Kollegin ins Fach gelegt hatte – blickte Alexander Möhrer voller Dankbarkeit zurück: „Es war eine schöne Zeit, die 19 Jahre in Hersel. Und es war eine noch viel schönere Zeit – die 16 Jahre hier.“ Der Schulgemeinschaft gab er das Motto mit, das er seinen Schülerinnen und Schülern von jeher ans Herz legt: „Geduld und Humor sind zwei Kamele, mit denen du durch jede Wüste kommst.“
Die Schulgemeinschaft des St.-Nikolaus-Stifts dankt Claudia Bachmann und Alexander Möhrer von Herzen für ihren Einsatz, ihre Herzlichkeit und ihre Menschenfreundlichkeit. Claudia Bachmann wünschen wir für ihren weiteren Weg alles erdenklich Gute – und Alexander Möhrer für den Ruhestand Gesundheit, Zeit für die Familie und dass weiterhin viel Musik in seinem Leben erklingt: vielleicht ohne festen Takt, aber mit viel Raum für Improvisation. Die Türen des Stifts stehen beiden selbstverständlich immer offen.






